Heute ist Tag 3 der Vision-Testing Aktion und der Bericht kommt von mir, Gabi. Die anderen Drei sind einfach viel zu beschäftigt, um den Blog zu schreiben. Ich kann Euch sagen, Volker, Theresa und Asu haben alle Hände voll zu tun und wir sind am Abend immer wieder am Überprüfen, ob wir im Zeitplan liegen. Vorgesehen sind 3 Tage, an denen die Kinder vom Kindergarten bis zur 10. Klasse sowie die Lehrer und die Angestellten hintereinander untersucht werden sollen. Mit den Kleinen mussten natürlich andere Tests durchgeführt werden als mit den Großen, da sie noch keine Buchstaben und Zahlen lesen können. Dank einer speziellen Tafel, die es natürlich auch in Deutschland gibt, hat das ganz wunderbar geklappt. Bisher haben wir ca. 35 Kinder identifiziert, die neue Gläser oder eine Brille benötigen und heute werden sicherlich noch einmal eine ganze Reihe weitere Brillenkandidaten dazukommen. Bei ein paar Kinder wurde festgestellt, dass es ratsam wäre, eine Sonnenbrille zu tragen. Sie hatten Probleme mit trockenen und tränenden Augen (könnt ihr das noch etwas umschreiben – nein, das ist schon gut so. Anm. die Redaktion ;-)). Dies kommt natürlich hier in einer Höhe von ca. 1100 Meter über Meeresspiegel öfter vor als bei uns.

Bevor wir aber mit den Sehtests starten konnten, mussten erst einmal unsere 4 Stationen eingerichtet werden, die die Kinder durchlaufen sollen. Station 1 betreue ich zusammen mit jemandem von der Schule. Hier bekommt jeder seinen eigenen Laufzettel auf dem alle Daten, die gemessen werden, aufgenommen werden. Ganz oben starten wir mit den Grunddaten wie Name, Klasse, Admin-Nummer, Jahrgang, Brillenträger ja /nein. Von jedem Kind wird auch ein Foto gemacht, dessen Nummer wir ebenfalls notieren. So haben wir zu jedem Gesicht auch den Namen. Für uns eine tolle Gelegenheit, die doch sehr ungewohnten Namen zu lernen. Das fühlt sich manchmal fast an wie Vokalen lernen. Tensing, Pasang, Tashi, Shristi, Furnima, Pooja, Nedra, Sudip und Rumid sind Namen, die wir schon super drauf haben aber es gibt noch viele andere, die wir lernen müssen. Von den Nachnamen will ich hier gar nicht sprechen. Das immer wieder die richtigen Kinder vor der Tür stehen wird ganz wunderbar im Hintergrund organisiert. Es sind meistens nicht mehr als 10 Kinder im Raum. Station 2 wird die meiste Zeit von Asu betreut. Hier muss recht viel gesprochen werden und Asu als Nepalesin ist hier eine wunderbare Hilfe. Sie überprüft die Funktionalität der Augen und fragt auch nach eventuellen Sehproblemen und macht somit die erste Anamnese. An dieser Station werden auch die Werte von alten Brillen ausgemessen und der Augenabstand (die PD) gemessen. Asu schreibt alles auf unseren Laufzettel auf. Nach dieser Station geht es zu Theresa, die Station 3 betreut. Theresa überprüft mit einem spezielle für Kinder ausgerichteten Autorefraktometer 2x die Sehstärke, da wir so die Wahrscheinlichkeit von Ungenauigkeiten ausschließen möchten. Volker hat dieses Gerät extra für diese Aktion gekauft und es macht meistens gute Dienste. Manche Augen sind zu klein oder zu dunkel, da hat das Gerät dann so seine Probleme die Stärke zu messen. Auf den Bildern seht ihr das Gerät. Die Kinder müssen auf ein lachendes Gesicht schauen. Am Anfang hat Theresa immer auf Englisch gesagt. Have a look to the smile … die Kinder haben dann immer selbst angefangen zu lachen, was sehr süß war. Das hat sie eine Weile genossen, dann aber doch gesagt have a look to the nose. Therese filtert mit diesen ersten beiden Messungen schon einmal viel raus. Ab hier hat man ein gutes Gefühl, ob ein Kind eine Brille benötigt oder ob die Wahrscheinlich groß ist, dass es keine Brille braucht. Auch hier wird alles notiert und es geht weiter zu Volkers Station 4. Hier werden die Augen noch einmal richtig mit Messbrille überprüft und die exakte Sehstärke wird ermittelt. Ab hier haben wir dann 3 Stapeln an Zettel. Auf Stapel 1 werden alle Zettel von den Kindern gelegt, die keine Brille benötigen. Stapel 2 ist für die Kinder, die ebenfalls zur Zeit noch keine Brille benötigen, deren Werte wir aber im Auge behalten wollen. Auf Stapel 3 legen wir dann alle Zettel, deren Kinder am Montag mit zum Optiker kommen müssen und die neue Gläser und eine neue Brille benötigen.

Wollt Ihr wissen, wie so ein Tag für uns aussieht? Morgens gibt es um 0815 Uhr Frühstück. Volker und ich kommen eigentlich ganz gut aus dem Bett raus und wir haben bisher immer an dem gemeinsamen Frühstück teilgenommen. Theresa und Asu schlafen meistens etwas länger und nehmen dann auch schon einmal nur ein kurzes Frühstück in unserer wunderbaren Wohnung ein. Wir Vier wohnen während der Zeit, an der wir am Bright Horizon sind, in Marlies Kornfelds Wohnung, die sie hier auf dem Schulgelände hat. Marlies ist die wunderbare Frau, die diese Schule im Jahr 2000 mit sehr viel Herzblut gegründet hat. Von unserer Wohnung aus, die eine große Terrasse hat, hat man einen wunderbaren Blick auf das Schulgelände und auf Kathmandu. Morgens stehen wir meistens erst einmal ein paar Minuten mit einer ersten Tasse heißem Tee auf dem Balkon und lauschen den fremden Geräuschen, genießen das schöne Morgenlicht und den Blick auf Kathmandu, schauen den Menschen zu, wie sie die Straße hochgelaufen kommen und beobachten natürlich die ersten Kindern, die schon vor dem Frühstück auf dem Schulgelände Fußball oder Basketball spielen. Um 0815 Uhr läutet dann die Glocke zum Frühstück. Bevor wir zum Frühstück gehen laufen wir meistens noch einmal an dem großen Platz vorbei, wo die Kinder Fußball oder Basketball spielen bevor es zum Frühstück geht. Wir hatten in unserem früheren Berichten schon einmal erwähnt, dass die Schüler in 2 Schichten das Essen einnehmen. Als erstes sind die Kleinen an der Reihe und dann nehmen die großen Schüler ihr Essen ein. Nach dem Frühstück gegen 0900 Uhr starten wir dann mit den ersten Messungen. Schon nach den ersten Messungen waren die Drei wunderbar eingespielt. Kommt es an einer Station einmal zu einem Stau wird improvisiert und jemand übernimmt eine andere Station und wir eröffnen eine weitere Augenprüfstation, an der wir genau die Augenstärke überprüfen können. Wenn es sich staut, kommt es an dieser 4. Station zu einem Engpass. Am Vormittag bekommen wir dann unseren ersten Tee, der wunderbar guttut. Um 1200 gibt es dann auch schon wieder Mittagessen. Direkt nach dem kurzen Mittagessen geht es mit den Messungen bis zur Teepause für die Kinder weiter. Gegen 16 Uhr gibt es Tee und ein paar Kekse für die Kindern. Diese schöne Unterbrechung am Tag will natürlich keines der Kinder verpassen und auch wir legen hier noch einmal eine kurze Pause ein. Danach geht es dann bis zum Abendessen weiter.

Am Freitag haben wir nach dem Abendessen noch einmal die kleineren Jungs in ihrem Haus besucht. Auf dem Schulgelände gibt es drei Wohnhäuser für die Kinder. Eins für die kleinen Jungs (bis Klasse 6), eins für die kleinen Mädchen und ein großes Haus, in dem auf der einen Seite die großen Jungs und auf der anderen Seite die großen Mädchen wohnen. Das Haus für die größeren Kinder, in dem sich auch Klassenräume befinden, wurde durch die sehr großzügige Spende von Ronald Gerns und seiner Frau Dr. Gabriele Dilla-Gerns im Jahr 2007 erbaut. Ronald Gerns ist Vorsitzender des deutschen Vereins und er ist auch im Vorstand der Schweizer Stiftung. Er und seine Frau Gabriele Dilla-Gerns unterstützen die Schule schon seit Jahren nicht nur finanziell, sondern auch durch ihre Arbeit im Vorstand sehr stark. Jetzt aber zurück zu unserem Besuch des Jungenhauses. Hier hat uns beste Wochenendstimmung erwartet. Die Jungs haben einen Tanz einstudiert und alle haben sich wahnsinnig über unseren Besuch gefreut. Die Musik wurde aufgedreht und das was bisher einstudiert war, wurde stolz vorgeführt und danach wurde lustig weiter getanzt. Volker und ich musste natürlich auch mittanzen und Asu hat einen wunderbaren nepalesischen Tanz vorgeführt. Wir hatten alle so viel Spaß und es war so schön zu sehen, wie die Jungs so toll zusammenleben. In jedem Zimmer stehen 8 Stockbetten. Jedes Kind hat natürlich sein eigenes Bett und damit sein eigenes kleines Reich. In dem Schlafraum gibt es dann noch Schränke, in dem jedes Kind sein eigenes Fach hat. Mehr Gegenstände gibt es nicht auf den Zimmern und auch nicht mehr Privatsphäre. Aber es scheint alles gut zu funktionieren. In den drei Jahren, in denen wir die Schule besucht haben, haben wir immer mehr festgestellt, dass eigentlich bis auf wenige kleine Gegenstände wie eine Armbanduhr oder ein kleines Schmuckstück fast alles sozialisiert wird und alles allen gehört. Großen eigenen Besitzt gibt es hier nicht und daher sollen Sponsoren auch keine speziellen Geschenke für die Kinder mitbringen sondern lieber etwas für die Allgemeinheit kaufen. Im ersten Jahr hat es sich erst etwas komisch angefühlt, an die Schule zu kommen und unseren Patenkindern kein besonderes Geschenk mitzubringen. Aber jetzt verstehen wir sehr gut den Sinn dahinter und wissen, dass es den Kindern auch ohne unser Geschenk an nichts fehlt. Samstags und sonntags haben die Kinder keine Schule und die Jungs durften also bis 2100 Uhr wach bleiben. Wir selbst sind schon um 2030 Uhr gegangen, da wir wie immer abends schlagskaputt waren. Am Samstagabend haben wir dann die Mädchen besucht. Ich glaube ähnlich wie in Deutschland, waren die Mädchen viel braver und nicht so aufgedreht. Sie saßen alle brav auf ihrem Bett und lasen in englischen Schulbüchern. Hier haben wir etwas Zeit verbracht und ein bisschen geredet und uns dann auch hier recht früh verabschiedet. In unserer Wohnung angekommen gab es dann noch etwas zu Trinken und ein paar Kekse und dann sind auch wir wieder recht früh ins Bett gegangen.

 

Das Schreiben meines Berichts wurde übrigens immer wieder von Ankit unterbrochen, der unbedingt seinem Sponsor einen Brief schreiben wollte. Er redet viel von seinem Sponsor und seine Augen leuchten und er ist immer sehr glücklich, wenn er von Eva spricht. Er hatte schon einen Brief auf Papier vorgeschrieben wollte aber, dass wir ihn noch einmal auf dem Computer abschreiben und dann unbedingt per Email mit ein paar Bildern verschicken, die wir von ihm gemacht haben. Es ist wirklich süß, die leuchten Auge zu sehen, wenn die Kinder von ihren Sponsoren sprechen. Um so trauriger ist es aber auch, dass immer noch sehr viele Kinder schon seit einiger Zeit keinen Sponsor haben. So z. B. auch Nedra. Ein wunderbarer Junge, den wir vor 2 Jahren das erste Mal getroffen haben und der uns sehr ans Herz gewachsen ist. Im Jahr 2016 war er immer unser Sorgenkind. Er schaute oft recht traurig und hat nicht so einen rundum glücklichen Eindruck gemacht, die Ausgelassenheit der anderen Kinder haben wir an ihm vermisst. Im Jahr 2017 haben wir dann einen völlig neuen Nedra wiedergetroffen. Er hat sich zu einem glücklichen Jungen entwickelt, der rundum zufrieden schien. Wir haben natürlich die Lehrer auf ihn angesprochen und sie haben uns erzählt, dass Nedra ein wundes Schienbein hatte, als er an die Schule kam. Man sieht auch heute noch die große Narbe. Das hat ihn immer etwas behindert und es scheint ein Grund gewesen zu sein, warum er so traurig war. Im Jahr 2017 hat der kleine Nedra dann sogar mit den großen Basektball gespielt. Die Schule ist mit ihm zum Arzt gegangen und das Bein wurde richtig behandelt. Heute ist es eine so große Freude ihn zu sehen. Er ist ein ganz cleverer Junge. Wir treffen ihn auch immer wieder an, wie er auf seinem Bett mit den Schulbüchern sitzt. Mit ihm können wir uns auch ganz hervorragend auf Englisch unterhalten. Heute lacht er viel und wir haben ihn über die Jahre sehr ins Herz geschlossen. Hier finden Sie mehr zu den Patenschaften und zur Unterstützung der Organisation des Bright Horizon Childrens Home. 

So, in der Zwischenzeit gehen wir die Endrunde. Alle Kinder wurden untersucht und jetzt wollen wir noch die Angestellten untersuchen. Volker strengt die ganze Aktion ganz schön an. Er muss sich höllisch konzentrieren und die Kommunikation ist nicht immer ganz so einfach. Bei einigen Kindern ist er sich auch nicht so sicher, ob sie wirklich die richtigen Angaben machen. Zum Glück kann er dies immer wieder gegenprüfen aber das braucht alles Zeit und seine höchste Konzentration. Ich glaube alle drei sind ganz froh, wenn alle untersucht wurden und noch glücklicher werden sie sein, wenn alle in ca. 1 Woche die neuen Brillen bekommen und dann hoffentlich auch alle gut sehen können. Einige Kinder hatten schon Brillen. Die meisten haben ganz gut gesessen aber es gab auch Kindern, da war es wirklich schrecklich anzusehen, wie schlecht die Brille gesessen hat. Da kann Brilletragen ja keinen Spaß machen, wenn sie einem permanent von der Nase rutscht oder man mehr drüber als durch die Brille schaut.

Unser Ergebnis. Über 250 durchgeführte augenoptische Untersuchungen. Jetzt müssen wir 55 Brillen anfertigen (erheblich mehr, als ich dachte) und fünf Kinder müssen unbedingt zum Augenarzt. Ganz viele Brillen waren von den Werten einfach falsch. Teilweise sogar zu stark. Wir haben viele Tränen erlebt, teilweise weil die Kinder keine Brille wollten aber auch ganz viele Freudentränen, die glücklich sind, endlich eine neue Brille zu bekommen und sie sich selbst aussuchen zu dürfen.

Jetzt ist es für Morgen unsere Aufgabe 55 Brillen zu „verkaufen“ und anzupassen. Wir freuen uns darauf.