Gutes Sehen für eine bessere Zukunft – Brillen für Nepal. Eine Sehtest-Aktion in Kathmandu bei der wir Kinder vom Bright Horizon Children´s Home mit Brillen und gutem Sehen versorgen. Für mehr Informationen zu diese Aktion klicken Sie hier.  Die Übersicht zu unserem Nepal-Blog finden Sie hier. 

Auch wenn wir jetzt schon wieder in Deutschland sind, sind wir Euch noch einige Berichte schuldig. Es war für uns in Nepal so spannend, dass wir doch wenig Zeit gefunden haben, alle Bericht zeitnah zu schreiben. Das holen wir jetzt nach.

Der Optiker hat jetzt zu tun – Freizeit für uns

Während der Zeit, in der die Brillen für alle Kinder und die Mitarbeiter des Bright Horizon Children´s Home gefertigt werden, ist für uns die beste Gelegenheit, in die Berge zu gehen, um das Land, die Menschen und die Kultur von Nepal näher kennen zu lernen.

Ziel ist das Langtang-Gebiet ca. 120 km von Kathmandu in nördlicher Richtung an der tibetischen Grenze. Das bedeutet für uns, 8 Stunden im Auto ordentlich durchgerüttelt zu werden. Die Straßen sind wirklich unvorstellbar. Leider mussten wir sogar 4 Stunden vor dem Ziel auf den Bus umsteigen, da unser Fahrer einen Checkpoint nicht passieren durfte.  Er hatte das falsche Kennzeichen. Ja, wir sind hier in einem Land, in dem vieles staatlich geregelt ist und diese Regulierungen häufig völlig unsinnig sind, dazu vieles Notwendige jedoch nicht geregelt ist oder nicht umgesetzt wird. Das ist Nepal. Wir nutzen die Umstiegspause, um uns umzusehen und festzustellen, dass wir 100 Jahre zurückgefahren sind. Das Mehl wird durch Wasserkraft gemahlen und die Bügeleisen sind tatsächlich aus Eisen.

Unser Startort ist Syafrubesi  (1420m), was die Nepali als “Sherpabesi” aussprechen. Wegen der späten Ankunft übernachten wir hier in einem einfachen Hotel und starten am nächsten Morgen. Für uns geht es an drei Tagen von 1420 Meter auf 4033 Meter hoch. Ein wunderschöner Weg durch ein tiefes und enges Tal mit einem schönen Gebiergsfluß und gigantischen Bergen.

Unsere Gruppe besteht aus Passang, unserem Guide, zwei Trägern, Aite und Jite sowie Theresa, Gabi und Volker. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns die Hilfe der Träger nehmen. Eigentlich sollte es für Touristen normal sein, dass man sich diese Begleitungen bucht. Die Träger und Führer verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt und es ist sozusagen ein ganz normaler Beruf. Leider haben wir immer wieder Touristen gesehen, die sich diese Unterstützung nicht genommen haben, obwohl es für jeden Europäer erschwinglich ist.

Für uns geht es gefühlt nur nach oben.

Wir übernachten immer wieder in sehr schönen, wenn auch einfachen Lodges, wandern auf dem Hauptverbindungsweg, vorbei an wunderbaren Menschen, die hier im Tal leben. Alle Dinge, die gebraucht werden, kommen zu Fuß auf dem Rücken der Menschen oder auf Mulis den Berg hinauf. Straßen oder Seilbahnen gibt es nicht.

Immer wieder begegnen wir “Transportunternehmern” die mit ihren Mulis erstaunlich schnell unterwegs sind und wirklich alles transportieren, was für uns denkbar ist. Überaus erstaunlich waren drei Herren, die Glasscheiben auf dem Rücken hatten, jeweils etwa 60kg. Die Herren sind tatsächlich in Flip-Flops gelaufen. Wir hatten gefragt, bis wo hin sie laufen: nach Langtang und das in der gleichen Zeit, wie wir es machen!!!! unglaublich!!!

Kurz nach dem bekannten “Lama-Hotel”, einer Ansammlung verschiedener Lodges, sehen wir Affen am Wegesrand. Es sind die ersten Affen, die wir (Gabi und Volker) in freier Wildbahn erleben. Die Mittags-Rast verbringen wir in der “Woodland-Lodge”. Der letzte Punkt mit Telefonverbindung runter ins Tal. Das Mobilfunknetz ist hier oben nicht mehr verfügbar.

Nach der Woodland Lodge öffnet sich das Tal, der Wald tritt zurück und gibt den Blick auf die mächtigen und beeindruckenden Berge frei. Wir passieren den Checkpoint des Nationalparks – ja, hier wird alles registriert, denn wir sind direkt an der tibetischen Grenze. Wir lassen die 3000 Meter unter uns. Die sich öffnende Landschaft ist für uns ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, da die Dimensionen viel gewaltiger werden, die Farben intensiver und die Luft spürbar dünner wird. Unser Ziel ist an diesem Tag Langtang, was wir in der Ferne schon erahnen können.

Langtang

Langtang ist ein kleines Dorf, nach dem dieses Tal benannt wurde. Es hatte im Jahr 2015 beim Erdbeben ein tragisches Schicksal. Durch einen Erd-, Schlamm- und Gletschereisabrutsch wurde das gesamte Dorf unter einer riesigen Gerölllawine verschüttet. Über 500 Menschen haben ihr Leben verloren. Für uns ein sehr bedrückendes Gefühl, da wir über diese Gerölllawine laufen mussten, im Bewusstsein, dass dort die Menschen bergaben sind. Noch heute – drei Jahre nach dem Beben – rutscht dieses Geröll ständig zusammen, weil das Eis, das immer noch unter dieser Lawine liegt, in dieser Höhe nur langsam schmilzt. Im Tal laufen wir an Ruinen vorbei, es sind Häuser, die von der Druckwelle zerstört wurden, die der Erdrutsch ausgelöst hatte. Man bekommt einen Eindruck, mit welcher Macht die Natur bei dieser Katastrophe zugeschlagen hat.

An diesem Tag steigen wir auf 3420 Meter. Die Luft wird dünner und Passang empfiehlt uns gelbe Beeren zu essen – quasi das RedBull der Sherpa. Es hilft gegen die Höhenkrankheit. Wir schlafen in dieser Nacht im Marigold Guesthouse durch die ungewohnte Höhe recht unruhig, hören den Mäusen, die in den Holzwänden laufen zu, aber erholen uns gut.

Am nächsten Tag haben wir nur noch eine Strecke von knapp 3 Stunden vor uns, um nach Kyanjin Gompa zu gelangen. Das Ziel unserer Tour. Dort wollen wir hoch auf den Berg, um die 4000 Meter zu erreichen. Wir laufen das Tal entlang, an schönen buddhistischen Stupas vorbei und ewig langen Steinwällen, die mit Mantras verziert sind.

Für uns völlig überraschend gibt es in Kyanjin Gompa eine Bäckerei, die ganz fantastischen Kuchen hat. Eine tolle Abwechslung nach vielen Tagen Dalbath und MasalaTee.

Gestärkt mit Kaffee und Kuchen geht es zu unserem “Höhepunkt” auf über 4000 Meter und wir genießen den Ausblick auf die höchsten Berge die wir jemals so nah und so direkt erlebt haben.

Am Morgen sind der Boden und die Bäche gefroren. Diese Kälte spüren wir nachts sehr deutlich und sind froh um unsere guten Schlafsäcke. Auch in den Lodges ist es eisig kalt. Abendessen in Daunenjacke ist normal. Unseren Rückweg führt uns noch an ein Buddhistisches Kloster.

Wir gehen den Rückweg dann etwas schneller und genießen die vielen Menschen und die tolle Landschaft, die wir erleben dürfen bis wir zurück in “Sherpa Besi” sind und unsere Träger bei einem gemeinsamen Abendessen verabschieden.

Nach einer erholsamen Nacht im Buddha Guest House geht es am nächsten Morgen in 8 Stunden mit dem Jeep zurück nach Kathmandu. “We make travel fun” – ein wahrhaft treffender Werbeslogan auf einem Bus. Diesmal haben wir das richtige Kennzeichen auf dem Auto und müssen nicht auf den Bus umsteigen, zum Glück. Zurück in Kathmandu sind wir gespannt, ob unsere Brillen schon alle fertig sind.

Wir freuen uns drauf die Kinder am Bright Horizon Children´s Home wieder zu treffen.